Wednesday, 2. november 2011 3 02 /11 /Nov. /2011 15:40

Jetzt habe ich es doch verschwitzt, regelmäßig hier was  zu schreiben.

 

Ja, der Irak ist ein multikulturelles, multiethnisches und multireligiöses Land. Aber die große Mehrheit ist muslimisch.

Wie demokratisch die Kultur eines Landes ist, zeigt sich, wie es mit Minderheiten umgeht. Das gilt bei den Muslimen in Europa oder Deutschland genauso wie für die Christen oder Yeziden im Irak.

 

Zugleich muss unterschieden werden zwischen dem Verhalten einer (stillen) Mehrheit und einer (lautstarken oder militanten) Minderheit. Was die unzweifelhaft vorhandene Verfolgung der Christen im Irak angeht, so geht diese von einer kleinen, aber radikalen Zahl von extremistischen Muslimen aus. Sie entführte und ermordete den Erzbischof von Mosul und manche Priester. Sie verübten in Bagdad am 1.11.2010 einen Anschlag auf die Kathedrale, wo 45 Menschen starben. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, wenn die Bewohner des kleinen christlichen Dorfes, das ich besuchte, keinerlei Zukunftaussichten für sich im Irak sahen, und das obwohl sie nicht in materieller Armut lebten.

IMG_0072_kompirimiert.jpeg

 

Und trotz dieses Erlebnisses von Lethargie und Verzweiflung, gibt es immer auch ein gegenteiliges Beispiel. Sei es, dass in einer Stadt, nicht weit von dem erwähnten Dorf, ein interreligiöses und interethnisches Komitee (inklusive Bürgermeister) eingerichtet wurde, das bei Spannungen in der Stadt eingreift, damit sie nicht gewaltsam eskalieren. Drei von ihnen seht Ihr sitzend auf dem Bild.

 

Oder sei es der muslimische Universitätsdozent, der mit Studenten eine Gedenkfeier und -demonstration für den ermordeten Erzbischof veranstaltete.

Oder sei es, die Geschichte, die mein Freund, der Schauspieler Ali Kareem aus Bagdad erzählte. Kurz nach dem oben schon genannten Anschlag auf die Kathedrale in Bagdad ging der Muslim Ali Kareem zu der Gemeinde und schlug vor, das Geschehen in einem Doku-Theaterstück aufzuarbeiten. Nach Ablauf der Trauerzeit berichteten überlebende ZeugInnen des Anschlages über das Geschehen und gemeinsam mit Ali führten sie das so entstandene Stück in der Gemeinde auf. Und es hatte- so wurde es ihm zurückgemeldet - eine heilende, therapeutische Wirkung.

 

All dieses klingt so selbstverständlich, so banal wie der Kästner-Spruch "ES gibt nichts Gutes, außer man tut es", aber das ist es nicht.. Man muss über seinen Schatten springen, Grenzen überwinden, zunächst die eigenen, inneren, dann die äußeren. Es gibt manche, die das tun, und das sogar im Irak, das alle Welt mit Terror verbindet.

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Wednesday, 5. october 2011 3 05 /10 /Okt. /2011 22:37

IMG_0053-Kopie-1.jpgIn meiner Neujahrsbotschaft habe ich ein Gedicht über den Irak geschrieben, genauer über Bilal, den Mäler aus Bagdad, der sich in seinem Land für Gewaltfreiheit einsetzt.

 

Jetzt bin ich seit heute in Erbl, Nordirak, Hauptstadt der Kurdischen Region. Ich habe heute die Zitadelle gesehen, bis zu 6000 Jahre alt, 4000 Jahre besiedelt, und zeitwese die größte Stadt der Welt. Sehr eindrucksvoll.Hier ist die Zitadélle und das Denkmal für einen kurdischen Poeten aus dem13. Jahrhundert. 

 

Soweit fürs erste. Mehr in den nächsten Tagen.

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Thursday, 23. december 2010 4 23 /12 /Dez. /2010 13:53

Oh ja, da habe ich aber viel Zeit verstreichen lassen.

 

Nun möchte ich mich zur Jahreswende mal wieder mit einem Gedicht melden, das ich dem irakischen Friedensaktivisten und Maler Bilal Bahir widme und mit dem ich allen LeserInnen schöne Weihnachten und ein friedliches Neues Jahr wünsche. Und dass das nicht nur eine Floskel ist, sondern des Engagements bedarf, zeigt zum Beispiel Bilal, aber auch manch andere, die ich hier im Blog bereits vorgestellt habe .

  bild bilal weihnachtscard

Das Antlitz

 

Das Antlitz atmet allen Schrecken aus.

Nachts, wenn alle Bilder brennen.

Das und der Laster zerstören das Haus

Und Menschen um ihr Leben rennen.

 

Der Blick, betrübt ist er, aber bunt.

Die Farben sind nicht düster, nein!

Trotz Bitternis tut er doch kund:

Ich sauge sattes Leben, Hoffnung ein.

 

Noch ist's nicht sicher, ist nicht klar,

Wie weiter wandelt sich die Welt.

Doch gibt es stets, wie's immer war

Die Schar, die Friede aufrecht hält.

 

Der Maler des Gemäldes, das Ihr seht,

ist eine Hoffnung für sein Land, so alt.

Durch Badgads' Straßen er mit Gandhi geht

Und ruft "La Onf - Nein zur Gewalt"!

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Tuesday, 11. august 2009 2 11 /08 /Aug. /2009 10:17
Hallo, da melde ich mich mal wieder.

Als ich noch in NRW wohnte, waren zwei Aktive der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion Baden die einzigen Heidelberger, die ich kannte. Nun wohne ich in der Nähe.

Die Werkstatt besteht nun seit 25 Jahren und daher habe ich - im Namen des Bund für Soziale Verteidigung - einen Glückwunsch in Versen geschrieben, den ich Euch hiermit nicht vorenthalten will:

Frieden wünschen sich gar manche

Über den Weg dorthin wissen

Nur wenige was – egal welche Branche

Frieden aber ist kein Ruhekissen.

 

Unfrieden ist weder Schicksalsmacht

Noch letzter Ausweg, er wird geplant

Das Militärische verdrängt wenig sacht

Zivile Methoden, die bleiben unerkannt.

 

Was tun? Was taten sie in Baden?

Also erstmal vor allem sinnieren

Nicht nur Galtung zu Vorträgen laden

Zivile Methoden selbst trainieren.

 

In eine Werkstatt ziehen in unheimlichem Jahr

Genau neunzehnvierundachtzig, or well ..

Just da begann die PazifistInnenschar

Aktiv gewaltfrei zu handeln – mit Gandhi als Quell.

 

Handeln hieß in dieser Zeit nicht nur

Raketenstandorte zu blockieren, sondern auch

Eine Bildungseinrichtung zu sein, die stur

Widerstand gewaltfrei für Kopf und Bauch

 

Einem breiten Publikum vermitteln soll.

Raketengegner waren nicht gewaltfrei per se

Konsensprinzip lag nicht im Planungssoll

So manchen politischen Kaderkomitees.

 

Training wurde zum badischen Zauberwort

Aktiv Konflikte bewältigen im Alltag.

Trainiert sein bei Konflikten am Arbeitsort

Trainiert, wo immer man auch sein mag.

 

Frieden muss erlernt werden wie Krieg

Üben muss ihn der Mensch immerzu.

Recht gewaltsam erstreiten ist kein Sieg

Gewalt erzeugt nur kurze Friedhofsruh.

 

Ein Tagungshaus hat sie nicht die

Werkstatt in Freiburg und Heidelberg.

Aber sie bietet für alle da und hie

Lauter tolle Trainings an ab Werk.

 

Themen sind breit und reichen von

Friedensdiensten, Boykottaktionen

Ratschlägen über die Mediation

Etcetera bis pp, wo Sie auch wohnen.

 

In diesem Sinne sei gesagt:

Eine Werkstatt werkt nicht nur daheim

Auch bundesweit ist sie gefragt

Koordinierend tätig zu sein.

 

Tacheles reden müssen wir hier:

Im Rückblick müssen wir bekennen

Ohne die Werkstatt wären wir

Nicht würdig, uns BSV zu nennen..

 

Baden – du gingst uns voran

An die fünf Jahre mussten vergehen eh

Der BSV seine Arbeit begann.

Ein Vivat daher der Avantgarde

 

Noch ein herzlicher Glückwunsch am

Ende.

 

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Tuesday, 1. july 2008 2 01 /07 /Juli /2008 18:27

Wie angekündigt möchte ich in meinem dritten Teil etwas über das internationale Friedensnetzwerk namens Nonviolent Peaceforce, also Gewaltfreie Friedenskraft, erzählen.

Deren Arbeit habe ich in Sri Lanka selbst erlebt, als ich dort zehn Tage lang Wahlbeobachter war.

Seitdem arbeite ich dort mit, halte Vorträge über sie, versuche Artikel über sie in Zeitungen und Zeitschriften unterzubringen und - seitdem ich im letzten Jahr auf dem europäischen Treffen in Berlin wie auch auf dem internationalen Treffen in Nairobi war (siehe Eine Friedensnobelpreisträgerin und Der gegenwärtigen Gewalt in Kenia zum Trotz ... ), kenne ich weltweit viele Aktive: Organisatoren und Friedensfachkräfte.

Die Nonviolent Peaceforce wurde Ende 2002 in Neu-Dehli, Indien gegründet als Netzwerk von damals etwa 40, heute 80 Friedensorganisationen aus allen Erdteilen. nplogo

Was ist das Ziel dieses Verbandes?

Die Nonviolent Peaceforce ist eine internationale Nicht-Regierungsorganisation, die unbewaffnete, eigens ausgebildete, multinationale Friedensfachkräfte in Krisen- und Konfliktgebiete sendet, um Menschen und ihre Rechte zu schützen, Gewalt zu verhindern und lokalen Friedensstiftern und -initiativen Raum zu verschaffen, um vorhandene Konflikte ohne Gewalt auszutragen.

Voraussetzung für den Einsatz ist eine Einladung durch lokale Gruppen.

Zu den Methoden gehören unter anderem:

  • Eskortieren von Aktivisten und bedrohten Gruppen
  • Beobachtung/Monitoring/Überprüfen von Gerüchten/Berichte über Menschenrechtslage
  • Dazwischenstellen in konkreten Konfliktsituationen

Eine der wichtigsten Grundhaltungen ist die Allparteilichkeit, d.h. es wird mit allen Konfliktparteien gesprochen. Wer dafür werben will, dass Konflikte gewaltfrei ausgetragen werden, muss die Einstellungen und Ängste aller Beteiligten anhören und berücksichtigen.

Was die Nonviolent Peaceforce von anderen Organisationen unterscheidet:

  • es wird langfristig angestrebt, große Einsätze mit mehreren hundert Friedensfachkräften in Konfliktgebieten durchzuführen
  • die Mitarbeiter in den Konfliktgebieten sollen bezahlt werden, sie sind eben - so wie Soldaten - professionelle Fachkräfte, allerdings im Unterschied zu Militärs Profis in Sachen friedlicher Konfliktaustragung
  • die Friedensfachkräfte kommen tatsächlich aus allen Erdteilen und nicht in ihrer großen Mehrheit aus westlichen Ländern

Wie die konkrete Arbeit der Nonviolent Peaceforce aussieht, werde ich beim nächsten Mal erzählen.

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Saturday, 7. june 2008 6 07 /06 /Juni /2008 14:16

Hallo, hier geht mein vorgestern begonnener Text weiter. Stephan redet in Heidenheim
Es handelt sich um eine gekürzte Fassung einer Rede, die ich auf dem 13. Friedenstag in Heidenheim gehalten habe.

Ich will heute erzählen, wie ein Ja aussehen könnte, wenn man Nein zu Krieg und Gewalt sagt. Ich fürchte, da gibt es Nachholbedarf - selbst bei langjährigen Aktiven der Friedensbewegung.

Zu Beginn will ich meinen persönlichen Zugang zum Thema Gewaltfreie Intervention schildern und hoffe, dass das interessanter ist als hier richtige, aber langweilige politische Analysen zu dreschen.

Seit meiner Kriegsdienstverweigerung vor nun 25 Jahren habe ich mich mit Gewaltfreiheit beschäftigt, z.B. während des Studiums an einem Training für gewaltfreie Aktion teilgenommen.

Als ich für ein Auslandssemester in Guatemala war, habe ich dann leibhaftig erfahren, wie eine gewaltfreie Intervention in Konflikte aussieht.

CCPP In Guatemala habe ich für meine Diplomarbeit über die selbst organisierte Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Heimat recherchiert.

Diese Flüchtlinge, die in Flüchtlingsdörfern im Süden Mexikos hockten, hatten sich zusammenschlossen und organisierten ihre Rückkehr selbständig, um nicht wieder unter die Kontrolle von Institutionen (vor allem dem Militär) zu kommen, vor denen sie Jahre zuvor geflohen waren. kooperative


Sie wurden dabei unterstützt von Solidaritätsgruppen aus Nordamerika und Europa. Diese begleiteten die Aktiven der Flüch­t­lingsbewegung auf Reisen, sie begleiteten auch die Rückkehr selbst und blieben in den Rück­kehrergemeinden, die von Militärs und anderen misstrauisch beäugt und bedroht wurden.

Kurz: internationale Begleiter boten diesen Menschen Schutz - und zwar erfolgreich.

Diese persönlichen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es möglich ist, mit gewaltfreien Methoden Menschen zu schützen. Und ich erfuhr dann in den folgenden Jahren, dass immer mehr Politiker - viel zu langsam, aber doch stetig - zu derselben Erkenntnis kamen und begannen, Projekte des Zivilen Friedensdienstes zu fördern.

Ich schließe damit für heute und verweise noch in Bezug auf den Zivilen Friedensdienst auf die Homepage des Forums Ziviler Friedensdienst http://www.forumzfd.de.


Demnächst werde ich dann etwas über ein Internationales Friedensnetzwerk erzählen, das sich Nonviolent Peaceforce nennt.

nonviolentpeaceblog
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Thursday, 5. june 2008 4 05 /06 /Juni /2008 17:38


Hallo,

ich gebe es ja zu: ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen. Na ja, die Überschrift meines ersten Blogeintrags gilt also für mich doch nicht.

Am ersten Maisamstag war ich bei schönstem Wetter in Heidenheim, einer Mittelstadt zwischen Aalen und Ulm.

Dort war ich geladen, auf dem 13. Friedenstag der Friedensgruppe Heidenheim zu sprechen. Das tat ich auch und das, was ich sagte, möchte ich hier dokumentieren. Aber in appetitlichen Häppchen, also mehreren Teilen.

Und heute beginne ich mit dem, was ich (und vier spontane Mitspielerinnen) vor meiner Rede machten:
Straßentheater spielen.

Zwei Arten, mit Konflikten umzugehen, wurden - überspitzt - dargeboten: das Militär, das Gutes tun will, aber häufig dank Schwarz-weiß-Denken - im wahrsten Sinne - über das Ziel hinausschießt (Szene 1a).

Und eine zweite, gewaltfreie Art des Umgangs mit Konflikten: die Kontrahenten ihre Sicht der Dinge (von der Seele) reden lassen und anschließend einen neutralen Raum bieten für Gespräche.
npstrassentheater_heidenheim
Das Bild rechts (von Alfred H. aus Heidenheim) illustriert das Ende der Szene 1b (gewaltfreie Konfliktbearbeitung):

Die beiden Kontrahenten - ganz außen - sind noch immer stinkig auf den anderen, aber sie haben sich auf ein Gespräch eingelassen, sind bereit. Es wird nicht einfach werden, den Konflikt zu lösen. Aber ein Schritt ist getan.

Viele sagen immer, dass das doch alles so naiv klingt, alles ganz nett und wichtig, aber doch nicht realistisch, oder?

Was meint Ihr?

P.S.: Demnächst folgt meine persönliche Antwort auf diese Frage.
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Wednesday, 2. january 2008 3 02 /01 /Jan. /2008 13:40


Hallo,
erstmal schönes neues Jahr.


Ich hatte Euch ja bereits mal angedeutet, dass ich im September auf einer Friedenskonferenz in Nairobi war.
Da waren jetzt Wahlen, deren Ergebnis vermutlich von dem amtierenden Amtsinhaber gefälscht wurde.

Bereits während des Wahlkampfes war es zum Teil zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen.

Dazu will ich Euch etwas erzählen, was ich während meines Aufenthaltes in Nairobi von jungen Bewohnern des größten Slums von Nairobi erfahren habe. undefined

Das Leben in Kibera, so heißt das Slum, ist davon geprägt, sich irgendwie durchzuschlagen. Jugendliche schließen sich oft zu Gangs zusammen, um gemeinsame Aktivitäten zu sichern: einige waschen beispielsweise die Wagen in einem bestimmten Straßenzug des Slum und sichern ihr Revier, zur Not auch mit Gewalt. Andere sind aber auch arbeitslos und hängen rum. Sie werden von Parteienvertretern gerne benutzt, um Mitglieder oder Anhänger anderer Parteien zusammenzuschlagen oder auch zu töten.

"Sie geben dir eine Waffe und sagen, die kannst du behalten, aber du musst den und den damit umlegen, paar Kenia Shillinge kriegste auch", erzählte mir ein Jugendlicher. Bevor sie gar kein Geld haben, machen einige Jungens dann einiges.

Es gibt jedoch auch Menschen, die versuchen, der Gewalttätigkeit entgegen zu wirken: z.B. Chemchemi Ukweli (Springbrunnen der Wahrheit), eine interreligiöse Organisation, die junge Leute, insbesondere solche  mit wenig Bildung, über ihre demokratischen Rechte aufklärt und darüber, wie sie die vorhandenen Konflikte in der Gesellschaft mit aktiver Gewaltlosigkeit angehen können. Sie bieten Workshops für Gewaltfreiheit an, sicher ein verwegener Gedanke in einer durch Armut und Not geprägten Gesellschaft.

Wie läuft so ein Workshop ab? Zunächst erzählen die 30 Teilnehmer/innen über ihre Erfahrungen mit Gewalt. Diese sind vielfältig: Lilian etwa beichtet, dass sie Angehörige anderer ethnischer Gruppen sozial ausgegrenzt, geschnitten hatte, eine Form der sozialen oder psychologischen Gewalt. Während die Jungen wie Fredrick oder Achieng von ihren Kämpfen mit Messern, Macheten, Spritzen oder Schusswaffen sprechen, berichten die Mädchen von ihren Erfah­rungen mit sexuellen Übergriffen. Die Teilnehmer/innen überprüfen anschließend in Rollenspielen ihre Verhaltens­weisen anhand konkreter Alltagssituationen. Die Trainer vermitteln dabei nicht nur die Effektivität des gewaltfreien Umgangs mit Konflikten, sondern auch die ethisch-spirituellen Dimensionen der 6 P’s, den Prinzipien von Chemchemi:

1. Promote the truth (Fördere die Wahrheit)

2. Protest the injustice (Protestiere gegen Ungerechtigkeit)

3. Penetrate the adversary’s conscience (Dringe in das Gewissen des Gegners vor)

4. Part from the injustice yourself (Entziehe dich der Ungerechtigkeit)

5. Pray (Bete)

6. Pay the price (Zahle den Preis für dein Engagement)


Im größten Slum, Kibera geht das Kibera Youth Programme for Peace abd Democracy (KYPPEDE) ähnliche Wege.

KYPPEDE versucht seit 1999 Netzwerke aufzubauen, um den Ausbruch gewaltsamer Konflikte vorab zu erkennen und zu verhindern, es will die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bürgergruppen verbessern, ein besseres Konfliktmanagement fördern und insgesamt ein Netzwerk kenianischer Friedensgruppen aufbauen.

Seinen Schwerpunkt legt das Programm darauf, die Jugendlichen davon abzubringen, Waffen, insbesondere Schusswaffen zu gebrauchen. Dabei arbeitet es eng mit der Internationalen Kampagne gegen Kleinwaffen zusammen.

 Auch Chemchemis Strategie ist es, die Bewohner zu aktivieren, Formen der Bürgerbeteiligung  zu initiieren, um so ein Forum zu schaffen, das die Politiker zwingt, sich um die Belange der Bewohner zu kümmern und damit die sozialen Ursachen der Gewalt anzugehen.

 „Gewaltfreiheit ist für mich eine Lebenseinstellung geworden“, sagt Achieng. „Dennoch überkommt mich manchmal noch der Gedanke, Gewalt auszuüben“, führt er fort. Gewaltfreiheit muss täglich praktiziert werden und das in einer Umgebung, in der sich das Überleben in den Slums weiterhin auf Gewalt gründet.

Die offensichtliche Wahlfälschung bei den Präsidentschaftswahlen vor ein paar Tagen hat die gewaltfreie Option nicht einfacher gemacht. Dennoch ist sie alternativlos.

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Wednesday, 28. november 2007 3 28 /11 /Nov. /2007 11:44

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Hallo,

ich hatte Euch versprochen, über eine Friedensnobelpreisträgerin zu berichten, die ich Ende September in Nairobi getroffen habe.

Sie heißt Mairead Corrigan-Maguire, kommt aus Nordirland und hat dort 1976 begonnen, den Bürgerkrieg zwischen Protestanten und Katholiken friedlich zu beenden. Dafür hat sie mit ihrer Freundin Betty Williams 1977 rückwirkend für 1976 erhalten.

Ich kann hier nicht viel über den Konflikt und seine Ursachen schreiben, sondern will mich darauf konzentrieren, wie eine Frau inmitten einer polarisierten Gesellschaft dazu kommt, sich für den Frieden zu engagieren.

Mairead ist Katholikin und beklagte die Unterdrückung ihrer Konfessionsgenossen durch die Protestanten und die Briten. Ja, sie überlegt sogar kurzzeitig, der IRA beizutreten.

Da passiert etwas, das ihr Leben ändert. Das britische Militär jagt in Belfast den Wagen eines IRA-Mannes und schießt - der Wagen kommt ins Schleudern und erfasst Maireads Schwester und ihre drei Kinder. Die Kinder sterben, die Schwester überlebt schwerverletzt, ist jedoch so verzweifelt, dass sie sich das Leben nimmt. Mairead heiratet den Witwer und beschließt, dass es so nicht weitergehen kann.

Sie gründet Peace People, mobilisiert hundertausende, die auf den Straßen für Versöhnung und ein Ende der Gewalt demonstrieren. Sie spricht mit allen Militanten, den katholischen wie den protestantischen.

Ihr Status als Friedensnobelpreisträgerin ermöglicht ihr, sich mit Politikern aus Großbritannien und den USA zu treffen und mit ihnen über Verhandlungswege zu diskutieren.

Dreißig Jahre harter Arbeit führten schließlich dazu, dass sich Katholiken wie Protestanten wie britische Besatzungsmacht auf einen Frieden einigen, auf eine gemeinsame Verwaltung Nordirlands.

"Wir haben Frieden geschaffen," sagte Mairead Maguire auf der Internationalen Versammlung der internationalen Friedensorganisation Nonviolent Peaceforce in Nairobi, "ist das nicht der Wahnsinn! Ist das nicht ein Grund, hier vor Freude zu tanzen?"

Frieden schaffen ist harte Arbeit. Es braucht Zeit, aber es ist erfolgreich.

Also, lasst uns auf die hören, die uns tanzen machen könnten.

Schönen Tag.

Nonviolent Peaceblogger
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Tuesday, 27. november 2007 2 27 /11 /Nov. /2007 19:19
sb-bytilman.jpg Hallo,

ja, da bin ich tatsächlich zu sehen. Firefox macht's möglich.

Ich habe heute versucht zu recherchieren, wo ich für das Schreiben eines Buches finanzielle Töpfe anbaggern kann. Da gibt es aber nicht so wahnsinnig viel.

Ich möchte nämlich gerne ein Buch über eine internationale Friedensorganisation schreiben, die ich auch in meinem Pseudonym missbraucht habe:Die Nonviolent Peaceforce.

Aber da schreibe ich Euch später mal was zu. Versprochen


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