Dienstag, 1. juli 2008

Wie angekündigt möchte ich in meinem dritten Teil etwas über das internationale Friedensnetzwerk namens Nonviolent Peaceforce, also Gewaltfreie Friedenskraft, erzählen.

Deren Arbeit habe ich in Sri Lanka selbst erlebt, als ich dort zehn Tage lang Wahlbeobachter war.

Seitdem arbeite ich dort mit, halte Vorträge über sie, versuche Artikel über sie in Zeitungen und Zeitschriften unterzubringen und - seitdem ich im letzten Jahr auf dem europäischen Treffen in Berlin wie auch auf dem internationalen Treffen in Nairobi war (siehe Eine Friedensnobelpreisträgerin und Der gegenwärtigen Gewalt in Kenia zum Trotz ... ), kenne ich weltweit viele Aktive: Organisatoren und Friedensfachkräfte.

Die Nonviolent Peaceforce wurde Ende 2002 in Neu-Dehli, Indien gegründet als Netzwerk von damals etwa 40, heute 80 Friedensorganisationen aus allen Erdteilen. nplogo

Was ist das Ziel dieses Verbandes?

Die Nonviolent Peaceforce ist eine internationale Nicht-Regierungsorganisation, die unbewaffnete, eigens ausgebildete, multinationale Friedensfachkräfte in Krisen- und Konfliktgebiete sendet, um Menschen und ihre Rechte zu schützen, Gewalt zu verhindern und lokalen Friedensstiftern und -initiativen Raum zu verschaffen, um vorhandene Konflikte ohne Gewalt auszutragen.

Voraussetzung für den Einsatz ist eine Einladung durch lokale Gruppen.

Zu den Methoden gehören unter anderem:

  • Eskortieren von Aktivisten und bedrohten Gruppen
  • Beobachtung/Monitoring/Überprüfen von Gerüchten/Berichte über Menschenrechtslage
  • Dazwischenstellen in konkreten Konfliktsituationen

Eine der wichtigsten Grundhaltungen ist die Allparteilichkeit, d.h. es wird mit allen Konfliktparteien gesprochen. Wer dafür werben will, dass Konflikte gewaltfrei ausgetragen werden, muss die Einstellungen und Ängste aller Beteiligten anhören und berücksichtigen.

Was die Nonviolent Peaceforce von anderen Organisationen unterscheidet:

  • es wird langfristig angestrebt, große Einsätze mit mehreren hundert Friedensfachkräften in Konfliktgebieten durchzuführen
  • die Mitarbeiter in den Konfliktgebieten sollen bezahlt werden, sie sind eben - so wie Soldaten - professionelle Fachkräfte, allerdings im Unterschied zu Militärs Profis in Sachen friedlicher Konfliktaustragung
  • die Friedensfachkräfte kommen tatsächlich aus allen Erdteilen und nicht in ihrer großen Mehrheit aus westlichen Ländern

Wie die konkrete Arbeit der Nonviolent Peaceforce aussieht, werde ich beim nächsten Mal erzählen.

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Samstag, 7. juni 2008

Hallo, hier geht mein vorgestern begonnener Text weiter. Stephan redet in Heidenheim
Es handelt sich um eine gekürzte Fassung einer Rede, die ich auf dem 13. Friedenstag in Heidenheim gehalten habe.

Ich will heute erzählen, wie ein Ja aussehen könnte, wenn man Nein zu Krieg und Gewalt sagt. Ich fürchte, da gibt es Nachholbedarf - selbst bei langjährigen Aktiven der Friedensbewegung.

Zu Beginn will ich meinen persönlichen Zugang zum Thema Gewaltfreie Intervention schildern und hoffe, dass das interessanter ist als hier richtige, aber langweilige politische Analysen zu dreschen.

Seit meiner Kriegsdienstverweigerung vor nun 25 Jahren habe ich mich mit Gewaltfreiheit beschäftigt, z.B. während des Studiums an einem Training für gewaltfreie Aktion teilgenommen.

Als ich für ein Auslandssemester in Guatemala war, habe ich dann leibhaftig erfahren, wie eine gewaltfreie Intervention in Konflikte aussieht.

CCPP In Guatemala habe ich für meine Diplomarbeit über die selbst organisierte Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Heimat recherchiert.

Diese Flüchtlinge, die in Flüchtlingsdörfern im Süden Mexikos hockten, hatten sich zusammenschlossen und organisierten ihre Rückkehr selbständig, um nicht wieder unter die Kontrolle von Institutionen (vor allem dem Militär) zu kommen, vor denen sie Jahre zuvor geflohen waren. kooperative


Sie wurden dabei unterstützt von Solidaritätsgruppen aus Nordamerika und Europa. Diese begleiteten die Aktiven der Flüch­t­lingsbewegung auf Reisen, sie begleiteten auch die Rückkehr selbst und blieben in den Rück­kehrergemeinden, die von Militärs und anderen misstrauisch beäugt und bedroht wurden.

Kurz: internationale Begleiter boten diesen Menschen Schutz - und zwar erfolgreich.

Diese persönlichen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es möglich ist, mit gewaltfreien Methoden Menschen zu schützen. Und ich erfuhr dann in den folgenden Jahren, dass immer mehr Politiker - viel zu langsam, aber doch stetig - zu derselben Erkenntnis kamen und begannen, Projekte des Zivilen Friedensdienstes zu fördern.

Ich schließe damit für heute und verweise noch in Bezug auf den Zivilen Friedensdienst auf die Homepage des Forums Ziviler Friedensdienst http://www.forumzfd.de.


Demnächst werde ich dann etwas über ein Internationales Friedensnetzwerk erzählen, das sich Nonviolent Peaceforce nennt.

nonviolentpeaceblog
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Donnerstag, 5. juni 2008


Hallo,

ich gebe es ja zu: ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen. Na ja, die Überschrift meines ersten Blogeintrags gilt also für mich doch nicht.

Am ersten Maisamstag war ich bei schönstem Wetter in Heidenheim, einer Mittelstadt zwischen Aalen und Ulm.

Dort war ich geladen, auf dem 13. Friedenstag der Friedensgruppe Heidenheim zu sprechen. Das tat ich auch und das, was ich sagte, möchte ich hier dokumentieren. Aber in appetitlichen Häppchen, also mehreren Teilen.

Und heute beginne ich mit dem, was ich (und vier spontane Mitspielerinnen) vor meiner Rede machten:
Straßentheater spielen.

Zwei Arten, mit Konflikten umzugehen, wurden - überspitzt - dargeboten: das Militär, das Gutes tun will, aber häufig dank Schwarz-weiß-Denken - im wahrsten Sinne - über das Ziel hinausschießt (Szene 1a).

Und eine zweite, gewaltfreie Art des Umgangs mit Konflikten: die Kontrahenten ihre Sicht der Dinge (von der Seele) reden lassen und anschließend einen neutralen Raum bieten für Gespräche.
npstrassentheater_heidenheim
Das Bild rechts (von Alfred H. aus Heidenheim) illustriert das Ende der Szene 1b (gewaltfreie Konfliktbearbeitung):

Die beiden Kontrahenten - ganz außen - sind noch immer stinkig auf den anderen, aber sie haben sich auf ein Gespräch eingelassen, sind bereit. Es wird nicht einfach werden, den Konflikt zu lösen. Aber ein Schritt ist getan.

Viele sagen immer, dass das doch alles so naiv klingt, alles ganz nett und wichtig, aber doch nicht realistisch, oder?

Was meint Ihr?

P.S.: Demnächst folgt meine persönliche Antwort auf diese Frage.
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Mittwoch, 2. januar 2008


Hallo,
erstmal schönes neues Jahr.


Ich hatte Euch ja bereits mal angedeutet, dass ich im September auf einer Friedenskonferenz in Nairobi war.
Da waren jetzt Wahlen, deren Ergebnis vermutlich von dem amtierenden Amtsinhaber gefälscht wurde.

Bereits während des Wahlkampfes war es zum Teil zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen.

Dazu will ich Euch etwas erzählen, was ich während meines Aufenthaltes in Nairobi von jungen Bewohnern des größten Slums von Nairobi erfahren habe. undefined

Das Leben in Kibera, so heißt das Slum, ist davon geprägt, sich irgendwie durchzuschlagen. Jugendliche schließen sich oft zu Gangs zusammen, um gemeinsame Aktivitäten zu sichern: einige waschen beispielsweise die Wagen in einem bestimmten Straßenzug des Slum und sichern ihr Revier, zur Not auch mit Gewalt. Andere sind aber auch arbeitslos und hängen rum. Sie werden von Parteienvertretern gerne benutzt, um Mitglieder oder Anhänger anderer Parteien zusammenzuschlagen oder auch zu töten.

"Sie geben dir eine Waffe und sagen, die kannst du behalten, aber du musst den und den damit umlegen, paar Kenia Shillinge kriegste auch", erzählte mir ein Jugendlicher. Bevor sie gar kein Geld haben, machen einige Jungens dann einiges.

Es gibt jedoch auch Menschen, die versuchen, der Gewalttätigkeit entgegen zu wirken: z.B. Chemchemi Ukweli (Springbrunnen der Wahrheit), eine interreligiöse Organisation, die junge Leute, insbesondere solche  mit wenig Bildung, über ihre demokratischen Rechte aufklärt und darüber, wie sie die vorhandenen Konflikte in der Gesellschaft mit aktiver Gewaltlosigkeit angehen können. Sie bieten Workshops für Gewaltfreiheit an, sicher ein verwegener Gedanke in einer durch Armut und Not geprägten Gesellschaft.

Wie läuft so ein Workshop ab? Zunächst erzählen die 30 Teilnehmer/innen über ihre Erfahrungen mit Gewalt. Diese sind vielfältig: Lilian etwa beichtet, dass sie Angehörige anderer ethnischer Gruppen sozial ausgegrenzt, geschnitten hatte, eine Form der sozialen oder psychologischen Gewalt. Während die Jungen wie Fredrick oder Achieng von ihren Kämpfen mit Messern, Macheten, Spritzen oder Schusswaffen sprechen, berichten die Mädchen von ihren Erfah­rungen mit sexuellen Übergriffen. Die Teilnehmer/innen überprüfen anschließend in Rollenspielen ihre Verhaltens­weisen anhand konkreter Alltagssituationen. Die Trainer vermitteln dabei nicht nur die Effektivität des gewaltfreien Umgangs mit Konflikten, sondern auch die ethisch-spirituellen Dimensionen der 6 P’s, den Prinzipien von Chemchemi:

1. Promote the truth (Fördere die Wahrheit)

2. Protest the injustice (Protestiere gegen Ungerechtigkeit)

3. Penetrate the adversary’s conscience (Dringe in das Gewissen des Gegners vor)

4. Part from the injustice yourself (Entziehe dich der Ungerechtigkeit)

5. Pray (Bete)

6. Pay the price (Zahle den Preis für dein Engagement)


Im größten Slum, Kibera geht das Kibera Youth Programme for Peace abd Democracy (KYPPEDE) ähnliche Wege.

KYPPEDE versucht seit 1999 Netzwerke aufzubauen, um den Ausbruch gewaltsamer Konflikte vorab zu erkennen und zu verhindern, es will die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bürgergruppen verbessern, ein besseres Konfliktmanagement fördern und insgesamt ein Netzwerk kenianischer Friedensgruppen aufbauen.

Seinen Schwerpunkt legt das Programm darauf, die Jugendlichen davon abzubringen, Waffen, insbesondere Schusswaffen zu gebrauchen. Dabei arbeitet es eng mit der Internationalen Kampagne gegen Kleinwaffen zusammen.

 Auch Chemchemis Strategie ist es, die Bewohner zu aktivieren, Formen der Bürgerbeteiligung  zu initiieren, um so ein Forum zu schaffen, das die Politiker zwingt, sich um die Belange der Bewohner zu kümmern und damit die sozialen Ursachen der Gewalt anzugehen.

 „Gewaltfreiheit ist für mich eine Lebenseinstellung geworden“, sagt Achieng. „Dennoch überkommt mich manchmal noch der Gedanke, Gewalt auszuüben“, führt er fort. Gewaltfreiheit muss täglich praktiziert werden und das in einer Umgebung, in der sich das Überleben in den Slums weiterhin auf Gewalt gründet.

Die offensichtliche Wahlfälschung bei den Präsidentschaftswahlen vor ein paar Tagen hat die gewaltfreie Option nicht einfacher gemacht. Dennoch ist sie alternativlos.

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Mittwoch, 28. november 2007

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Hallo,

ich hatte Euch versprochen, über eine Friedensnobelpreisträgerin zu berichten, die ich Ende September in Nairobi getroffen habe.

Sie heißt Mairead Corrigan-Maguire, kommt aus Nordirland und hat dort 1976 begonnen, den Bürgerkrieg zwischen Protestanten und Katholiken friedlich zu beenden. Dafür hat sie mit ihrer Freundin Betty Williams 1977 rückwirkend für 1976 erhalten.

Ich kann hier nicht viel über den Konflikt und seine Ursachen schreiben, sondern will mich darauf konzentrieren, wie eine Frau inmitten einer polarisierten Gesellschaft dazu kommt, sich für den Frieden zu engagieren.

Mairead ist Katholikin und beklagte die Unterdrückung ihrer Konfessionsgenossen durch die Protestanten und die Briten. Ja, sie überlegt sogar kurzzeitig, der IRA beizutreten.

Da passiert etwas, das ihr Leben ändert. Das britische Militär jagt in Belfast den Wagen eines IRA-Mannes und schießt - der Wagen kommt ins Schleudern und erfasst Maireads Schwester und ihre drei Kinder. Die Kinder sterben, die Schwester überlebt schwerverletzt, ist jedoch so verzweifelt, dass sie sich das Leben nimmt. Mairead heiratet den Witwer und beschließt, dass es so nicht weitergehen kann.

Sie gründet Peace People, mobilisiert hundertausende, die auf den Straßen für Versöhnung und ein Ende der Gewalt demonstrieren. Sie spricht mit allen Militanten, den katholischen wie den protestantischen.

Ihr Status als Friedensnobelpreisträgerin ermöglicht ihr, sich mit Politikern aus Großbritannien und den USA zu treffen und mit ihnen über Verhandlungswege zu diskutieren.

Dreißig Jahre harter Arbeit führten schließlich dazu, dass sich Katholiken wie Protestanten wie britische Besatzungsmacht auf einen Frieden einigen, auf eine gemeinsame Verwaltung Nordirlands.

"Wir haben Frieden geschaffen," sagte Mairead Maguire auf der Internationalen Versammlung der internationalen Friedensorganisation Nonviolent Peaceforce in Nairobi, "ist das nicht der Wahnsinn! Ist das nicht ein Grund, hier vor Freude zu tanzen?"

Frieden schaffen ist harte Arbeit. Es braucht Zeit, aber es ist erfolgreich.

Also, lasst uns auf die hören, die uns tanzen machen könnten.

Schönen Tag.

Nonviolent Peaceblogger
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Dienstag, 27. november 2007
sb-bytilman.jpg Hallo,

ja, da bin ich tatsächlich zu sehen. Firefox macht's möglich.

Ich habe heute versucht zu recherchieren, wo ich für das Schreiben eines Buches finanzielle Töpfe anbaggern kann. Da gibt es aber nicht so wahnsinnig viel.

Ich möchte nämlich gerne ein Buch über eine internationale Friedensorganisation schreiben, die ich auch in meinem Pseudonym missbraucht habe:Die Nonviolent Peaceforce.

Aber da schreibe ich Euch später mal was zu. Versprochen


nonviolentpeaceblog
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Dienstag, 27. november 2007

 
Ich blogge, also bin ich. Das ist sicher nicht meine Lebensphilosophie.


Bis vor kurzem hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal machen würde. Aber beim Barcamp in Mannheim am letzten Wochenende bin ich doch davon überzeugt worden, dass Blogger keine narzistischen Dünnbrettbohrer sind, sondern was zu sagen haben.

Ich glaube, dass ich auch was zu sagen habe. Und wenn das einigen Leuten was gibt - und mir vielleicht sogar ein wenig Geld (darf auch mehr sein :-) ), ist das auch ok.


Was ich üblicherweise mache, ist Texte zu schreiben, insbesondere über politische Themen in aller Welt, noch insbesonderer über Krieg und Frieden und Initiativen, die letzteres erreichen wollen.

So möchte ich Euch demnächst was erzählen über


- eine Friedensnobelpreisträgerin, die in Nordirland (mit anderen zusammen natürlich) Frieden geschaffen hat;

- eine Friedensaktion im Kriegsgebiet von Sri Lanka, die ein Freund von mir organisiert hat

- junge Kenianerinnen und Kenianer, die in den Slums von Nairobi Trainings zur Gewaltfreiheit durchführen und und und.

Freut Euch drauf. Nonviolent PeaceBlog (der Name spricht für sich, denke ich)

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