Wie läuft so ein Workshop ab? Zunächst erzählen die 30 Teilnehmer/innen über ihre Erfahrungen mit Gewalt. Diese sind vielfältig: Lilian etwa beichtet, dass sie
Angehörige anderer ethnischer Gruppen sozial ausgegrenzt, geschnitten hatte, eine Form der sozialen oder psychologischen Gewalt. Während die Jungen wie Fredrick oder Achieng von ihren Kämpfen mit
Messern, Macheten, Spritzen oder Schusswaffen sprechen, berichten die Mädchen von ihren Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen. Die Teilnehmer/innen überprüfen anschließend in Rollenspielen ihre
Verhaltensweisen anhand konkreter Alltagssituationen. Die Trainer vermitteln dabei nicht nur die Effektivität des gewaltfreien Umgangs mit Konflikten, sondern auch die ethisch-spirituellen
Dimensionen der 6 P’s, den Prinzipien von Chemchemi:
1. Promote the truth (Fördere die Wahrheit)
2. Protest the injustice (Protestiere gegen Ungerechtigkeit)
3. Penetrate the adversary’s conscience (Dringe in das Gewissen des Gegners vor)
4. Part from the injustice yourself (Entziehe dich der Ungerechtigkeit)
5. Pray (Bete)
6. Pay the price (Zahle den Preis für dein Engagement)
KYPPEDE versucht seit 1999 Netzwerke aufzubauen, um den Ausbruch gewaltsamer Konflikte vorab zu erkennen und zu verhindern, es will die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bürgergruppen verbessern, ein besseres Konfliktmanagement fördern und insgesamt ein Netzwerk kenianischer Friedensgruppen aufbauen.
Seinen Schwerpunkt legt das Programm darauf, die Jugendlichen davon abzubringen, Waffen, insbesondere Schusswaffen zu gebrauchen. Dabei arbeitet es eng mit der Internationalen Kampagne gegen Kleinwaffen zusammen.
Auch Chemchemis Strategie ist es, die Bewohner zu aktivieren, Formen der Bürgerbeteiligung zu initiieren, um so ein Forum zu schaffen, das die Politiker zwingt, sich um die Belange der Bewohner zu kümmern und damit die sozialen Ursachen der Gewalt anzugehen.
„Gewaltfreiheit ist für mich eine Lebenseinstellung geworden“, sagt Achieng. „Dennoch überkommt mich manchmal noch der Gedanke, Gewalt auszuüben“, führt er
fort. Gewaltfreiheit muss täglich praktiziert werden und das in einer Umgebung, in der sich das Überleben in den Slums weiterhin auf Gewalt gründet.
Die offensichtliche Wahlfälschung bei den Präsidentschaftswahlen vor ein paar Tagen hat die gewaltfreie Option nicht einfacher gemacht. Dennoch ist sie alternativlos.
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